 |
Es
war etwa Mitte September als ich eine Talk Show im Fernsehen
sah. Das allererste Mal dass ich mir überhaupt eine
Talk Show bewusst ganz angesehen habe. Es ging um das Thema
"Hilfe, meine Tochter will ein Junge sein!" Klang
interessant also ließ ich den TV auf dem Sender laufen.
Erster Talkgast war ein junger Mensch, genannt M. Er erzählte
einiges aus seinem Leben, wie die Eltern von ihm denken,
wie er Freundschaften verlor und von seinem Leidensdruck.
Dann fiel das Wort: Transsexuell. Ach so nennt man das also,
war mein erster Gedanke. Ich sah die Sendung weiter. Es
kamen mehr Personen mit dem gleichen Problem. Und in jeder
der Geschichten konnte ich mein Leben erkennen. Mein Leidensdruck,
meine Gefühle, meine Gedanken. Von da an war mir klar:
Ich bin transident.
Doch
was mache ich mit dem Wissen? Wusste ich das nicht schon
vorher? Sicherlich, wollte ich als Kind doch nie Kleider
tragen, niemals mit Mädchen Puppen spielen oder heute
gar mit pubertierenden Weibern über Jungs, Make-Up
oder Haarstyling reden. Gott im Himmel... was für Themen!
Nur, was mache ich jetzt? Ich weiß nun dass ich ein...
Problem... habe. Wohin damit? Mein erster Gedanke, als die
Laufschrift: "Nach der Talk Show, Chat bei... auf der
Internetseite...". Super, da schaust du mal hin! Gesagt,
getan. Nachdem ich mir also die Sendung mit meiner Mum angesehen
habe, setzte ich mich an den PC und fand mich wenige Minuten
später in dem besagten Chat wieder. Ich unterhielt
mich mit einer Dame aus der Redaktion der Sendung und mit
einigen anderen. Doch nie kam ein richtiges Gespräch
zustande.

Bis
mich jemand mit dem Nicknamen "Big_M" ansprach.
Wir unterhielten und lange und tauschten schließlich
auch Mailadressen aus. "Super, endlich einer der mich
versteht!" war mein Gedanke. Schließlich wusste
sonst noch niemand was ich empfinde und dass ich eine Geisel
in meinem Körper war... Dann der Hammer: Die Dame der
Redaktion warf ein "Danke dass du in der Sendung warst,
M.!" in den Chatroom. Ich wusste nicht was ich sagen
sollte. M.... hmm... das war die Person, der erste Talkgast,
mit dem ich mich am besten identifizieren konnte. Also fragte
ich: "M.? Wo ist M.?" Und wer meldete sich? Genau!
Jener "Big_M" mit dem ich schon knapp eine Stunde
sprach. Ich war platt. Und jetzt erst recht wollte ich Kontakt
aufnehmen.
Also
entwickelte sich reger Mailkontakt. Adressenaustausch folgte
ebenso... und schließlich ein von mir 4-Seiten am
PC geschriebener Brief an M. Ich hatte schon Angst er würde
vor Schreck vom Stuhl fallen. Aber nein... ich bekam einen
8-seitigen handgeschriebenen (!) Brief zurück. M. und
ich haben wahnsinnig viel gemeinsam. Und dass es jemanden
gibt, dem es ganz genauso wie mir geht, auch wenn M. 2 Jahre
älter ist als ich, hat mir einen Kick gegeben: Mensch,
jetzt sagst du was Sache ist! Jetzt sagst du, wer und was
du wirklich bist!
Hmm...
nur wie fängt man das an. Ich fragte M. "War reiner
Zufall dass ich mich geoutet habe." Mist! Auf Zufälle
will ich nicht bauen! Nur, wem sage ich es zuerst? Und vorallem:
Wie? Wer käme da besser in Frage ausser meine beste
Freundin? OK, die Frage "Wer erfährts zuerst"
war geklärt. Nun kam das Schwere... Wie sag ich es?

Lange
grübelte ich hin und her. "Hi J... du ich bin
transident. Ist das OK?"... Nein, so gehts nicht. Wie
wärs mit: "Hallo, weisste was? Ich bin ein Junge
gefangen in einem weiblichen Körper!" Um Himmels
Willen, das klingt ja extrem! Nein, also so gings nicht.
Ich fasste mir allen Mut zusammen den ich hatte und fing
einfach dann an darüber zu sprechen. Wie jeden Abend
trafen J. und ich uns zum Chatten im Internet. Einen Monat
nachdem ich die Talk Show sah wollte ich das erste Mal mein
Geheimnis lüften. Mir war flau im Magen... fast wie
Lampenfieber. Dann fing ich an: "Ich habe was festgestellt.
Aber versprich mir zuerst, dass du mich nicht wie meine
Ex-Freunde sitzen lässt!" Meine Freundin war perplex,
sie dachte wahrscheinlich ich würde ihr jetzt weiß
der Teufel was sagen. "Ich bin transsexuell."
Lange keine Antwort. Ich dachte schon: "Oh Gott, jetzt
hast du deiner einzigen Freundschaft einen Dolchstoß
verpasst." Aber eigentlich wollte sie nur wissen, wie
ich darauf komme. Ich hatte das Gefühl, da würde
ein wenig Unwissenheit mitschwingen. (Nicht persönlich
nehmen J.) Also gab ich ihr ein paar Adressen von Internetseiten,
welche ich gesammelt hatte, und wo sie sich informieren
konnte. Erster Gesprächspunkt danach: Geschlechtsangleichung.
Sprich, eine OP welche mich von meinem Leiden im weiblichen
Körper zu leben erlösen würde. Dann war der
Abend eigentlich schon vorbei. Mist, dabei wollte ich mir
gerade Luft machen.

Einen
Tag später hatte ich, wie normalerweise jede Woche,
einen Termin mit meinem Psychotherapeuten / Psychodoc. Auch
hier outete ich mich. Doch statt analysierenden Worten folgte
nur: "Das ändert jetzt in meiner therapeutischen
Arbeit alles!" Uff, ich war platt. Hatte ich einen
Fehler gemacht? Er wirkte so verwundert, perplex, ja ratlos.
Langes Schweigen. Doch dann: "Aber es erklärt
mir auch, weshalb du meinen damaligen Vorschlag einmal ein
Kleid anzuziehen vehement ablehnst und abgelehnt hast!"
Ja, er hatte es verstanden. Wir sprachen sogar, das Thema
hatte ER angeschnitten, über eine OP, welche mein Leiden
möglicherweise nehmen könnte. Doch gleich darauf
sagte er mir, er hätte mit der Form von psychischem
Druck keine Erfahrung. Erst einmal hatte er einem Mann dazu
verholfen, eine Geschlechtsanpassung machen zu lassen. Super
und was jetzt? Er sagte mir immer wieder, er könne
mir da nicht helfen. Doch dann meinte er: "Wäre
es nicht möglich, dass du dich so gefangen fühlst
aufgrund der Tatsache daß du mißhandelt wurdest?"
Hä? Wie kommt der denn jetzt darauf? Ich sagte immer
wieder, nicht nur wegen der Erzählungen meiner Eltern:
"Nein, ich war noch nie ein Mädchen! Puppen, Kleider...
Igitt!" Und immer wieder lenkte er mich zum vergangenen
Mißbrauch. Wollte er mir vielleicht mein transidentes
Dasein widerlegen? Ja, ich war völlig verunsichert
und so schickte er mich nach Hause.
Es
folgte ein Gespräch mit M. am Telefon. Ich war so verunsichert
dass ich jemand anderen zum Reden brauchte. Meine Freundin
war noch bei der Arbeit, sprich nicht erreichbar. Also rief
ich M. an. Er sprach mir gut zu, aber die Unsicherheit blieb.
Am Abend sprach ich wieder mit J. Ich sagte ihr was passiert
war. Wie unsicher ich war und was sie von so einer OP halten
würde. Sie sah es, zumindest was die OP anging, sehr
objektiv. Immer nach dem Motto: Jedem das seine! Und ich
war froh darüber! Das war genau das was ich brauchte.
Ich fragte sie, nach langem Überlegen, was sie von
mir halten würde, wenn ich so eine OP machen lassen
würde. Sie war wie immer ehrlich: "Wenn du es
willst würde ich es akzeptieren. Es wäre gewöhnungsbedrüftig."
Auf meine Frage, ob sie mich denn dann allein ließe
kam ein promptes: "NIEMALS!". Das gab mir einen
weiteren Kick! Es steht jemand hinter mir.

Doch
dann, der nächste Tag folgte und ich konnte mit meiner
Mom sprechen. Wie immer fragte sie wie die Therapie am Vortag
war. Sie schlauchte, was sonst. Doch dann, meine entscheidende
Frage, wohl gemerkt ganz allgemein gestellt und keinerlei
Beziehung auf mich: "Was hältst du von Geschlchtsumwandlungen...
oder besser -anpassungen?" Sie sah mich geschockt an.
Mist... es war definitiv der falsche Zeitpunkt zu fragen.
Sie kam von der Arbeit, war KO und dann kommt ihre "Tochter"
mit so einer Frage. "Würdest du sowas machen,
dann..." Was... was dann? Sie schwieg. Hieß das
etwa, sie würde dann nichts mehr mit mir zu tun haben
wollen? Ich versuchte mich rauszureden. Sie war definitiv
genervt und KO. Wieder war die Verunsicherung da. Soll ich
den anderen zu liebe so bleiben wie ich bin? So tun als
ob ich damit so leicht umgehen kann gefangen in einem mir
fremd vorkommenden Körper zu sein? Ich Idiot tat es.
Lange
schwieg ich um das Thema. Ich wusste nicht was ich tun soll.
Dementsprechend litt meine Schulleistung. Und mehr. Immer
mehr zog ich mich in mein Zimmer zurück. Appetit, Lust
etwas zu tun und Leistungen aller Art, alles eine Qual!
Ich sprach mit J. Einmal mehr wusste ich nicht was ich sagen
sollte. Wie erklärt man denn, dass man so einfach nicht
klar kommt? "Ja in dem Alter sind die Jugendlichen
doch besonders schlimm. 17 Jahre... und dann mit sowas kommen."
Das las ich auf vielen Homepages von transidenten Menschen.
Und wieder hatte mich J. auf einem schlimmen Tiefpunkt erlebt.
Ich war down... wann ist das schon mal nicht so? Aber es
war wirklich extrem. Aber meine Freundin machte mir mit
einem Satz Mut: "Laß dich nicht unterkriegen!
Ich mag dich so oder so!" Wow! Das hatte ich lange
nicht gehört. Schon gar nicht wenn es darum ging. Wieder
ein Kick.

Etwa
eine Woche später in der Schule sprach ich meine Religionslehrerin
an. Sie weiß eigentlich fast alles über mein
Leben. Ich sprach schon ein paar Mal mit ihr, auch über
meinen Mißbrauch. Sie verstand mich oder besser, sie
versuchte es. Ich sprach sie nach der Schulstunde an und
in der darauffolgenden Pause erzählte ich ihr von meinem
"neuen" Leiden. Sie hatte Erfahrung! Sie erzählte
mir von ihrem Bekanntenkreis, das es da zwei ehemalige Mädchen
gab, Zwillinge, die beide kürzlich eine Geschlechtsanpassungs-OP
machen ließen. Sie versprach mir Adressen zu besorgen
wo ich mich informieren kann.
Drei
Wochen später erhielt ich die Adressen auch. In der
gleichen Woche besuchte mich M. Er bat mich um Hilfe ihm
eine Homepage zu machen, die wir dann auch tatsächlich
innerhalb des Wochenendes fertiggestellt hatten. Dieses
Wochenende, die Gespräche mit M., einem Leidensgenossen
halfen mir das zu schreiben.
Schließlich
konnte ich mich dazu durchringen auch zweien aus meiner
Klasse, D. und M., zu sagen das ich trans bin. Ich hatte
eigentlich erwartet, da es ja eine reine Mädchenklasse
ist, dass sie mir Vorwürfe machen oder dumme Sprüche
klopfen (das soll jetzt keine böswillige Anspielung
sein, D. und M.). Aber es war gar nicht so. Wir haben uns
im Unterricht Briefe geschrieben. Lange über das Thema
gesprochen und sie sind bereit, mich absofort nur noch L.
zu nennen. Auf den Namen B. höre ich auch schon nicht
mehr wirklich. Da die beiden so gut reagiert haben, dachte
ich so bei mir "Hmm, versuchst du es doch auch noch
deiner Religionslehrerin so zu verklickern." Gedacht,
getan. Ich ging zu ihr und sagte ihr den neuesten Stand
der Dinge. Sie war allerdings nicht so begeistert. Manchmal
denke ich, dass sie mir das ausreden will. Aber selbst wenn
dem so wäre, schaffen würde sie es nicht.

Genauso
habe ich es dann auch zuhause mit meiner Mom und meinem
Onkel besprochen. Eigentlich redeten die zwei ja zuerst
über mich und darüber, dass M. mich besucht hatte.
Ich war doch etwas überrascht, dass es scheinbar in
der Familie mehr wissen als mir bewusst war. Auch mein Vater
beispielsweise. Er ist nicht gerade der Typ, mit dem man
unbedingt über alles reden kann, aber meine Mom meinte,
er steht ebenso hinter mir. Mom, mein Onkel und ich sprachen
recht lange über das Thema trans zu sein und dass er
eben auch schon Leute kennt, die eine OP haben machen lassen.
Das Ende des Gesprächs sagte mir folgendes: "Hey,
du stehst ja in der Familie doch nicht so allein da wie
gedacht."
Also
ich hab ichs nun auch geschafft mich auch bei meiner Tante
zu outen. Wir waren essen (mein Dad, Mom, mein Onkel, meine
Tante und ich.) Und da haben wir eine Weile darüber geredet.
Keiner war schockiert und alle meinten, sie hätten das schon
lange gewusst. Mit 8 oder 9 Jahren (gleich nach der Kommunion)
sagte ich, dass ich ab jetzt NIEMALS wieder Kleider tragen
will, ob gezwungen oder nicht und ich hab mir die Haare
kurzschneiden lassen. Naja und da hätten sie schon gewusst
was los ist. Was man im Nachhinein so alles erfährt...
Tja
und am 29.11.2002 schrieben mir 2 "Damen" aus
meiner Klasse einen Brief (während dem Unterricht)
und fragten, wieso nun "L." auf dem Klassensitzplan
steht statt B. Ich erklärte es etwas und sie nennen
mich nun auch L. Auch wenn die beiden ein wenig naiv waren.
OK, ich will nicht behaupten, jeder der nicht weiß
was *trans ist, ist naiv. Aber als ich sagte dass ich evtl.
bald eine Hormonbehandlung machen lasse, wollten sie wissen
was dabei passiert. Weiß man doch eigentlich. Wie
auch immer, das war ein weiteres Outing.

Und
schließlich folgte am gleichen Tag noch mein Bruder.
Er studiert und ich sehe ihn eigentlich nur alle 2 Wochen.
Er hat sich die ganze Homepage durchgelesen und auch hier
wieder der gleiche Effekt: "Irgendwie war es doch klar.
Ich habs nicht gewusst, aber es war sehr naheliegend."
Oh man, kein Schock mehr hm? :D
So
und am 02.12.2002 habe ich es geschafft mich auch bei sämtlichen
Roxette-Fans im Forum zu outen. Einige von dort kenne ich
auch persönlich. Von dem her dachte ich mir, oute ich
mich da eben auch. Hier mein Text in Originalfassung dort
im Forum:
"Titel:
TS: Was haltet ihr davon?
Hi
Leute,
um
auffliegende Fragen zu verwerfen: TS bedeutet Transsexuell.
Und was das genau heißt könnt ihr gerne auf meiner Homepage
www.refuge-de.de.vu nachlesen. Da steht auch wirklich alles
über mich drin.
Was
ich mit diesem Thread bezwecken will? Ganz einfach. Die
Tatsache dass ich *trans bin weiter veröffentlichen. Da
ich mich im November bei eigentlich allen in meiner Umgebung
geoutet habe und nun schon so viele bescheid wissen und
auch damit umgehen können, dann sag ichs hier eben auch
noch.
Also
ich bin transsexuell/transident/transgender und wie man
da noch so dazu sagen kann. Und das weiß ich selbst noch
nicht allzu lange. Genauergesagt seit dem 13. September
2002. Wie genau ich darauf kam steht ebenfalls auf der Homepage.
Und ich will mein Outing einfach weiterbringen. Es sollen
alle wissen, damit ich weiß mit wem ich noch reden kann
und mit wem nicht. Diese Versteckspielerei die viele anderen
TM/TF (TransMänner/TransFrauen) mitmachen will ich nicht
auch durchmachen.
TS
zu sein ist allgemein gesehen eine Krankheit. Völliger Schwachsinn
finde ich. TS ist keine Krankheit, es ist ein Leiden. Das
Leiden als Mann/Frau im falschen Körper (dem des anderen
Geschlechts) zu leben. Als ich mich beispielsweise bei meiner
Family geoutet habe *trans zu sein, sagten eigentlich alle
"Ja das wusste ich schon." Und weiter? Tja sie gehen damit
ganz normal um. Möglich dass ich bald eine Hormonbehandlung
anfange. Ewig wusste ich nicht was mit mir los ist. Ich
hab mich versteckt. Und natürlich auch wer ich wirklich
bin. Pseudonyme im Internet usw. Für viele normal, für mich
wars eine Möglichkeit das zu sein was ich nach aussen hin
körperlich (noch) nicht bin: Ein Mann.
Wie auch immer. Ich wollte das nur sagen und bin echt mal
gespannt wie ihr das auffasst. Mit negativem kann ich leben.
Ist jedem seine Sache wie er damit umgeht. Nur eines muss
ich auf jeden Fall sagen: Seit ich mich geoutet habe, seit
meine Homepage online ist und seit ich mit der Person zusammen
bin die ich schon seit über 1 1/2 Jahren heimlich liebe,
fühle ich mich echt besser. Denn nun wissen wirklich alle
was mit mir los ist und ich habe die Gewissheit nicht allein
zu sein. ich bin nun auch in der "Szene" tätig. Arbeit für
Vereine (wie TransMann e.V., Junxz usw). Ich bin bei weitem
der nicht der einzige. Und wieso soll ich mich für das verstecken
was ich bin?
So
nun warte ich gespannt auf eure Antworten. Und natürlich
auch ob ich nun (wie es vielen anderen TM/TF geht) zu einer
Randgruppe gehöre. (<- Sch... Schubladendenken!) Hoffe es
antwortet jemand.
So
long, L."

Schließlich
habe ich es am 25.12.2002 (toller Zeitpunkt) auch geschafft,
mich bei meiner Großmutter zu outen. Wir saßen
beim Kaffee und ich hatte den Arm um meine Freundin gelegt.
Während wir alle ferngesehen haben meinte meine Mum
zu ihrer Mutter: "Ach ja, wir müssen dir noch
was sagen." Oma war recht überrascht. Ich gab
ihr einfach mein ausgedrucktes Outing (den Text von dieser
Page) und sie las es relativ schnell. Sie faltete es wieder
zusammen und gab es mir fast wortlos zurück. Einzige
Worte, nachdem meine Mom fragte was sie davon hält:
"Naja, was soll ich da sagen?" Ich hatte Angst,
ich hatte innerlich Angst was sie sagen wird. Sie wirkte
einfach perplex (evtl. verständlich) andererseits aber
auch sehr sehr verständnislos. Also ob sie es nicht
glauben kann/will. Vielleicht bilde ich es mir auch nur
ein. Meine Mom bohrte wieder nach: "Irgendwie wussten
wir es doch oder?" Erneut eine Pause bis meine Oma
zögerlich zustimmte. Damit war das Thema vom Tisch.
Zu schnell finde ich. Kein Gespräch darüber, nichts.
Was soll man da machen?
Am
28.12.02 fuhr ich mit meiner Freundin zu ihr nach Hause.
Und dort, am 30.12.2002, schaffte ich es auch, auf die gleiche
Weise wie bei meiner Oma mit mindestens genauso viel Angst,
mich bei J.s Eltern zu outen. Ihre Mutter jedoch lächelte
etwas. "Was soll ich dazu sagen? Wir nehmen es wie
es ist. Wir sind in der Beziehung schon tolerant."
Ich habe zwar ein wenig (nur ein wenig) das Gefühl,
dass sie nicht ganz verstanden hat um was es ging, aber
ich hab auch hier das Outing hinter mir. Die Nacht davor
habe ich mir solche Gedanken gemacht, dass ich nicht schlafen
konnte. "Wie sage ich es nur? Nur den Zettel geben?"
Und all sowas... Aber ich habs hinter mir und bin meiner
Freundin danach erleichtert in die Arme gefallen.

Am
01.02.2003 hatte ich noch ein paar Outings. Zuerst bei einem
Counter-Strike-Clan in dem ich Mitglied war. Während
dem Spielen hatte ich mich durch die Sprechfunktion outen
müssen, da mein Chef mich auf diese Homepage angesprochen
hatte. Denn ich hatte Geschlecht männlich angegeben,
was auch stimmt, nur die Typen aus dem Clan kapierten das
nicht. Also wurde ich kurzerhand aus dem Clan geworfen.
Desweiteren haben diese Diskussion mehrere Spieler mitbekommen
mit denen ich öfter spiele. Den meisten war es egal,
aber es gab genug die mich noch heute, wenn ich sie antreffe,
beleidigen und somit nur ihre Naivität zeigen. Denn
sie wussten nicht einmal was Transsexuell bedeutet, sie
dachten es wäre Homosexualität. Und dann beleidigend
werden sobald sie endlich verstanden haben was es wirklich
ist ... einfach nur mehr als naiv. Ich spreche jetzt die
Betreffenden an: Jungs, lernt mal mit Menschen umzugehen.
Am
12.02.2003 hatte ich ein weiteres Outing bei einem sehr
guten Freund der Family. Er hat sich diese Seite durchgelesen.
meine Eltern und er versuchen sich schon dran mich nicht
mehr beim "normalen" Namen zu nennen. Ist ab und
an mehr als lustig. Da werden ganz plötzlich oder im
Nachhinein aus "sie" ein "er" und ähnliches.
Mein Onkel ist der einzige der mich ohne Zögern und
Fehler L. nennt. Respekt! *lach*

Am
Aschermittwoch 2003 hat meine Mom ein Outing für mich
gemacht... wie das von sich ging? Ganz einfach: Am sogenannten
"politischen Aschermittwoch" waren meine Eltern
auf einer politischen Veranstaltung, auf der auch der Co-Direktor
meiner Schule war. Da das Fernsehteam vom ZDF/WDR auch mal
an meine Schule kommen will, musste das natürlich auch
da abgeklärt werden. Also ging meine Mom auch einfach
zu Hr. S.-F. und fragte direkt ob das ginge. Er hätte
generell nichts dagegen und unterstützt sowas, nur
wollte er wissen warum. Also erklärte meine Mum ihm,
dass ich transsexuell bin und ein TV-Team über mich
berichten wolle. Er war sofort sehr in ein Gespräch
mit meiner Mom vertieft. Als ich in der Schule war, sprach
ich den Co-Direktor darauf an, denn ich war doch recht erstaunt
als Mum mir das erzählt hatte. Er meinte, dass es stimmt
dass er mit meiner Mutter gesprochen hat und ich sollte
ihm meinen Namen (den neuen wie den "normalen")
und meine Klasse auf einen Zettel schreiben, damit er auch
dem Direktor bescheid geben kann. Das tat ich auch und als
wir auf dem Weg ins Klassenzimmer waren, redeten wir noch
eine Weile. Er fragte mich wie es nun weitergeht und sagte,
dass er voll hinter mir steht und das sehr mutig findet,
dass ich offen damit umgehe. Am Ende meinte er dann, in
mein Ohr flüsternd: "Das war jetzt aber ein Gespräch
unter Männern...also pst." *lach* Das war spaßig
und aufbauend zugleich. Also er steht hinter mir, was ich
schon mal echt super finde!
Auch
die Mitglieder des Country-Clubs
meines Dad's, für den ich auch eine Homepage mache,
wissen bescheid. Weiß aber nicht seit wann. Auf jeden
Fall ist das doch klasse, dass an sich alle locker damit
umgehen.

Als
ich bei J. in Urlaub war für 15 Tage (11.04.-26.04.2003)
hab ich mich endlich dazu durchgerungen noch 3 Outings bei
ihrer Family zu machen. Zuerst war ihr Bruder an der Reihe.
Ich hab wie immer mein bisheriges Outing aus dieser Homepage
ausgedruckt und ihm gegeben. Immerhin 5 Seiten. Er las es
und hat eine akzeptable Haltung mir gegenüber gebracht.
Immer nach dem Motto: "Irgendwie hatte ichs geahnt."
Danach kam gleich der Vater dran. Da hatte ich mehr Bammel.
Die Nacht davor konnte ich nicht schlafen. Wie auch immer,
auch er las das Outing, während J.s Mom, ihr Bruder
und ich im Nebenzimmer waren und PlayStation 2 gespielt
haben. Der Vater kam rein und gab mir den Zettel, hob den
Daumen an und meinte beim Gehen "Cool L., cool!"
Wir haben uns nur alle perplex angesehen. Und als dann 2
Tage später J.s Oma noch kam und wir schon dabei waren,
hab ich auch ihr das Outing gegeben. Sie hat lange gelesen
und wieder die Reaktion: "Find ich cool!..." Irgendwie
dachte ich, ich bin im falschen Film. Aber hätte es
denn besser laufen können? Wohl eher nicht! Nun weiß
es an sich jeder der es wissen muss. Morgen werde ich in
der Schule beim Direktor anfragen ob ich noch beim Mädchensport
mitmachen muss. Nachdem meine Klasse behauptet hat, ich
würde beim Umziehen immer spannen hab ich noch mehr
die Schnauze voll!
Am
28.04.2003 habe ich schließlich mit dem Co-Direktor
meiner Schule gesprochen. Bezüglich dem Mädchensport-Unterricht.
Da mir meine Klasse offiziell vorwirft, ich würde spannen
während die sich für den Sportunterricht umziehen.
HAHA! Sehr komisch... als ob man bei denen was sehenswertes
sehen könnte. Wie auch immer, mein Co-Direktor meinte,
ich soll morgen mit dem Direktor sprechen. Das werde ich
auch tun...
Ich
war am 29.06.2003 mal unterwegs und als ich auf dem Rückweg
noch zu McDonalds gegangen bin, kam mir eine Ex-Mitschülerin
entgegen und meinte kurz: "Hi! Sag mal stimmts dass du ne
Freundin hast?" Ich sagte ja und meinte dann ich wär sogar
verlobt. Sie gratulierte mir und wir kamen ins Gespräch,
bei dem sie mich als lesbisch empfand. Natürlich klärte
ich sie dann auf. Sie war zwar perplex, aber danach wars
OK für sie. (Zur Erklärung: Das war das Mädel was mir 2000
das Leben in der Schule zur Hölle machte und es noch bis
heute ist). Ich wollte mir endlich was zu essen holen aber
sie wollte dass ich mich unbedingt zu ihrer Clique setze,
von denen ich auch ein paar kannte. Hab mich also breitschlagen
lassen und hab mich dann dazugesetzt. Wir redeten über das
Thema TS, Alle waren recht einsichtig. Die anderen wollten
es an sich nur wissen, als sie erfahren haben, dass das
TV Team an die Schule kommt und sie wissen wollten warum.
Dabei kam raus, dass einer in der Runde schwul war, den
ich auch schon ewig kenne. An sich wars sehr interessant.
Wir haben so über einiges gesprochen.

Ich
hatte am 02.07.2003 eine Fahrstunde (Doppelstunde Überland).
Und als das Mädel was nach mir dran kam und ich im Auto
auf den Fahrlehrer gewartet haben, kamen wir ins Gespräch.
Und da ich sie schon länger kenne, sprachen wir auch
über persönliches. Sie sagte sie würde sich nicht
mögen. Nicht nur wegen ihrer Schwangerschaftsstreifen. Ich
sagte auch dass ich mich absolut nicht mag. Sie wollte natürlich
wissen warum. Naja ich sagte ihr dann, ich wäre transgender,
wenn ihr das was sagen würde. Genaues Zitat: "Falscher Körper
hm?" Naja gut dass sie's wusste. Ich sagte ja und wir redeten
ein wenig darüber. Aber an sich war es das dann schon.
Und
erneut hat sich was getan. Am 17.07.2003 hatte ich 3 Stunden
Autobahnfahrt. Und gleich nachdem wir losfuhren, fragte
mich mein Fahrlehrer regelrecht über Transsexualität
und etwaige Maßnahmen dabei aus. Wir haben fast die
ganzen 3 Stunden darüber geredet. Er hatte mich gefragt
was ihm in den Sinn kam und das wirklich interessiert. Auf
jeden Fall war es wirklich aufschlussreich für beide
Seiten.
Anfang
Januar 2004 hatte ich wieder ein Outing. Diesmal aber im
Forum für ein Internet-Game, welches ich ebenfalls
zocke. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, aber zum
größten Teil positiv.

Weitere
Outings folgten dann, und wieder waren die Reaktionen sehr
unterschiedlich. Man kann nichts pauschalisieren und oftmals
brauchen die Leute einfach Zeit damit umgehen zu können.
Mittlerweile
lebe ich vollkommen etabliert als Mann. Niemand sieht mir
meine Vergangenheit an - außer ich muß mich
mal komplett ausziehen, was ja eher selten ist ;) - und
habe sogar am 25.04.2008 in Köln meine geliebte J.
geheiratet! Besser kann es doch zumindest in Bezug auf meine
Vorgeschichte nicht laufen. :)
Also
Leute, ich rate euch an dieser Stelle:
Haltet durch und geht den Weg so weit
ihr wollt zu Ende! Es lohnt sich!
|
 |